Marketing-Grundlagen (leider geschwänzt)

Geschäftsführer der .berlin-Registry wundert sich, dass die Nachfrage nach verschenkten .berlin-Domains gross ist.

Da wird doch immer gesagt, in Deutschland sei es zu schwierig, sich selbständig zu machen. Zu viel Formalien seien notwendig und so weiter. Zu diesen Formalien gehört aber ganz sicher nicht der Nachweis, grundlegende Kenntnisse in Marketing oder verwandten Themen zu besitzen.

Was ist geschehen? Die neue Toplevel-Domain .berlin gehört ganz sicher nicht zu den Billig-Angeboten wie eine .de. Der Preis für den Registranten liegt bei zwischen 40 und 60 €. Auch ist die Anzahl der sinnvoll registrierbaren Domains bzw. das Interesse vergleichsweise eher gering. Es handelt sich ja um eine regional begrenzte Domain. Also waren sich alle im Umfeld der Gesellschafter der dotBERLIN® GmbH & Co. KG einig: wir haben es mit einem hochwertigen und eher hochpreisigen Produkt zu tun und genau so sollten wir es behandeln. Soweit, so klar.

Nun kamen Novizen auf diesem Gebiete auf die glanzvolle Idee, den Verkauf mit Geschenken anzukurbeln. Während fünf Tagen sollten die .berlin-Domains zu einem extrem niedrigen Preis angeboten werden.

Zitat:“Unsere Hauptstadt-Domain .berlin hat 50.000 Registrierungen erreicht, und das feiern wir mit einer besonderen Promotion-Aktion: An den 5 Tagen von heute bis zum 20. Juni 2014 kosten die .berlin Domains bei ausgewählten Registraren zwischen EUR 0,00 bis EUR 5,55.“

Das muss man einmal sacken lassen, wenn man bedenkt, dass der normale Abgabepreis der Registry an die Registrare normalerweise ein VIELFACHES dieser Summe beträgt. Und dann:“ausgewählte Registrare“. Wer hat die ausgewählt?

Was ist also nun geschehen? Am ersten Tag dieser Sonderaktion wurden 67.409, am zweiten 5.106, am dritten 16.600 Domains registriert. Dann wurde die Aktion abgebrochen bzw. auf wenige Domains pro Registrar beschränkt. Da wurden also an EINEM Tag mehr Domains registriert als an 365 Tagen vorher? Der vorherige Standardwert betrug übrigens zwischen 22 und 30 Domains pro Tag.

In jedem normalen Unternehmen wäre die Marketingleitung gerüffelt oder freigestellt worden wegen erheblichem Dummfug. Ein angeblich hochwertiges und -preisiges Produkt wird verheizt und das einzige Produkt verschenkt. Zitat des GF der Registry: „… damit konnten wir nicht rechnen…“. Damit MUSSTE man rechnen, das lernt man im Grundkurs Marketing für Anfänger oder Marketing-Grundlagen!

Übrigens: die knapp 90.000 Domains gingen überwiegend an zwei Unternehmen. Was wollen wohl zwei Unternehmen mit diesem Haufen Domains? Dreimal dürfen wir raten.

Save the date: ab 16.06.2015 läuft die einjährige Registrierungsphase dieser Domains aus. Vielleicht ist der Blick auf die Zahlen am 15.06.2015 spannend.